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Die Nato-Staaten sind Russland auch ohne die USA in wesentlichen militärischen Kategorien überlegen. Die Debatte über die massive Nato-Aufrüstung dreht sich um eine mögliche russische Bedrohung und den Ruf nach europäischer Eigenständigkeit. Zweifel wachsen, ob die Aufrüstung trotz eines Rekordbudgets zu mehr Sicherheit führt. Eine neue Greenpeace-Studie mit aktuellen Daten zu Militärausgaben unterstützt diese Sichtweise. Es muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass die Autoren der Studie trotzdem die Notwendigkeit der Erhöhung der Verteidigungsbereitschaft - wenn auch in einem deutlich geringerem Umfang als aktuell gegeben - unterstellen , ohne dies klar belegen zu können. Wir sehen dies kritisch und unterstützen konsequent deeskalatorische Positionen, wie sie etwa Özlem Alev Demirel, die für die Linke im EU-Parlament sitzt, der taz gegenüber zum Ausdruck brachte: „Gemeinsame Aufrüstung und eine stärkere Militarisierung der EU tragen aus meiner Sicht nicht zu mehr Sicherheit bei, sondern erhöhen die Spannungen.“ Trotzdem ist die Studie ein wichtiger, ansonsten faktenorientierter Diskussionsbeitrag, der das Narrativ der in weiten Teilen der Öffentlichkeit verbreiteten, massiven Angriffsgefahr durch Russland klar widerlegt......weiterlesen
(Aller-) Letzte Warnung von „Merkels General“
In der Lanz-Sendung v. 21. 5. 26 im ZDF ging es insbesondere um den Vorschlag von Bundeskanzler Merz der Ukraine eine Art EU-Mitgliedschaft mit Sonderstatus anzubieten, inklusive militärischer Beistandsverpflichtung im Angriffsfall. Dies sah der geladene Gast, Erich Vad, Brigadegeneral a. D. der Bundeswehr und ehemaliger hochrangiger Militärberater Merkels äußerst kritisch. Er warnte eindringlich vor der akuten Kriegsgefahr und wurde für seine Verhältnisse ungewöhnlich laut in einer recht „hitzigen“ Diskussion mit dem heimlichen „Kriegsminister“ der CDU, Roderich Kiesewetter. Dazu einige seiner Zitate, die die aktuelle Lage sehr treffend charakterisieren und keiner weiteren Kommentierung bedürfen. Übrigens: Vad ist keine Friedenstaube, er fordert die Wehrpflicht. Er meint, es gäbe eine „Fähigkeitslücke“ gegenüber Russland - was unter Militärexperten umstritten ist - und will europäische Mittelstreckenwaffen.Letzteres allerdings in Verbindung mit Abrüstungsgesprächen.
Die Vad-Zitate im Einzelnen:
„Ich würde [dem Kanzler] raten, die Gesprächskanäle dringend wieder aufzunehmen."
"[Wir in Deutschland] ....sind stolz darauf, dass wir mit den Russen nicht reden, obwohl wir ein Land in der Mitte Europas sind, was auch massiv betroffen ist".
„Als Militärexperte treibt mich das um: Wir werden, wenn wir so weitermachen, in einem Krieg mit Russland landen.“
Erich Vad zur Ankündigung 120.000 Drohnen in die Ukraine zu liefern, die Russland weit im Hinterland treffen können:"Die Russen haben reagiert und festgestellt: An den Drohnen arbeiten auch (...) deutsche Firmen. Die haben schon Namen genannt - München ist zum Beispiel ein Hotspot der Rüstungsindustrie - und haben gesagt: Die kommen jetzt auch bei uns in die Zielplanung."
In Bezug auf die allgemein verbreitete Äußerung, dass Russland 2029 die NATO angreifen wird sagte Vad: "Das geht eher los, wenn wir so weitermachen."
„Die russische Reaktion auf Angriffe in der Tiefe Russlands (...) wird nicht nur die Ukraine betreffen. Es kommt der Tag, wo sie Vergeltungsschläge auf Europa, auf Deutschland durchführen.“
"Ich will aus deutscher Sicht keinen Krieg in Deutschland haben. (...) Wir sind Aufmarsch-Gebiet der Nato, logistische Drehscheibe der Nato. Wenn es einen europäischen Krieg gibt, läuft der in unserem Land.“
KDV-Antrag: Abwarten oder nicht?(Diskussionsbeitrag von Till Eberle, Saarland)
[Anmerkung der Redaktion: Im folgenden Artikel geht es u.a. um die aufschiebende Wirkung von KDV-Anträgen nach Ausrufung des Kriegs- oder Spannungsfall. Siehe dazu auch den Beitrag unserer Homepage "Aufschiebende Wirkung von KDV-Anträgen...."]
Mit der am Horizont leider wieder sich abzeichnenden Wehrpflicht fängt in der KDV-Beraterszene auch eine altbekannte Diskussion wieder an: Antrag sofort stellen, wenn man sich dazu entschieden hat? Oder besser abwarten und versuchen, "unter dem Radar" der Behörden zu bleiben, so lange diese einen nicht z.B. mit einem Fragebogen behelligen oder zur Musterung einbestellen? Weiterlesen, hier klicken,.....
Protest gegen Saarlouis als Standort für ein neues Musterungszentrum
Das Friedensnetz Saar und die Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner:innen Trier/Saar kritisieren die Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums scharf, in Saarlouis eines der neuen Musterungszentren einzurichten.
Wir sind bestürzt darüber, wie sich Saarlouis vor Ort als Garnisonsstadt in ausufernder Militärromantik selbst beklatscht ohne auch nur einen Moment mal innezuhalten. Die Jubelrhetorik von OB Marc Speicher muss deutlich kritisiert werden. Wenn der Saarlouiser Oberbürgermeister das als „großen Erfolg“ feiert, übernimmt er genau das falsche Framing. Er macht aus einem Verwaltungsakt ein politisches Signal für Aufrüstung und Kriegsgeschrei.
Viele Menschen reagieren auf Musterung und Wehrpflicht nicht mit Euphorie, sondern mit Sorge. Diese Ängste muss ein Oberbürgermeister ernst nehmen, statt sie mit Standortjubel zu übergehen. Saarlouis braucht eine Stadtpolitik, die zivile Interessen schützt und Ängste ernst nimmt.
Während auch in Saarlouis Schulen unter Personalmangel leiden, bezahlbarer Wohnraum fehlt und soziale Einrichtungen um ihre Finanzierung kämpfen, setzt die Bundesregierung mit Unterstützung des Saarlandes erneut auf Aufrüstung und Militarisierung. Statt in Bildung, Pflege, Infrastruktur und sozialen Zusammenhalt zu investieren, sollen Millionenbeträge in neue militärische Strukturen fließen.
An der Saar und überall in Europa gilt es wieder Zukunftsperspektiven für Familien, junge Menschen und Beschäftigte zu schaffen – und keine Rückkehr zur Militarisierung des öffentlichen Lebens zu betreiben. Geld für Bildung, soziale Sicherheit und Pflege ist wichtiger als neue Rekrutierungsstrukturen.
Sehr fragwürdig ist die voranschreitende gesellschaftliche Verankerung militärischer Präsenz. Mit neuen Musterungszentren und verstärkter Werbung der Bundeswehr im öffentlichen Raum droht eine schleichende Gewöhnung an Aufrüstung, Wehrpflicht und militärisches Denken.
Wir schämen uns für Saarlouis. Wir schämen uns für diesen Ort, in der ein mörderischer, rechtsextremer Anschlag jahrzehntelang unter den Teppich gekehrt wurde und in der ein Oberbürgermeister stolz darauf ist, dass man als einzige Stadt Deutschlands Soldaten als Ehrenbürger hat. Wir schämen uns für OB Marc Speicher, der schneller als es die Bundeswehr selbst konnte, ein eigenes kommunales Team zur Standortsuche für ein Musterungszentrum betrieb.
Saarlouis und alle unsere Städte, gerade hier an der Grenze, sollten stattdessen Orte des Friedens und des sozialen Zusammenhalts sowie internationaler Zusammenarbeit und Versöhnung sein. Orte des Friedens und der Nachdenklichkeit angesichts der Kriege weltweit, die auch uns an der Saar bald direkt (be)treffen könnten.
So geht Kriegsdienstverweigerung:
Aktuell: Was tun, wenn die "Bereitschaftserklärung" im Briefkasten liegt?
Fragen/Beratung zur Kriegsdienstverweigerung, zu Wehrerfassung, Musterung oder Wehrpflicht: Schreibe eine Mail an [email protected] oder:
Persönliche Beratungsmöglichkeiten (vor Ort, per Telefon)
Weitere Infos:
gehe zurück zur Startseite
oder
Infos zur Antragstellung der DFG
Nur nach telefonischer Voranmeldung per Mail([email protected]), spätestens 24 Stunden vorher
Atomwaffen-Kooperation mit Frankreich: Ceci n'est pas une option!
Momentan beunruhigt uns gerade hier an der Grenze die deutsch-französische Kooperation in Hinblick auf Atomwaffen sehr. Frankreichs Präsident Macron will nuklear aufrüsten und sieht sogar den Einsatz einer Atomwaffe als "Warnung" vor. Deutschland soll dabei offenbar eine Schlüsselrolle spielen. Bundeskanzler Merz hat bereits gemeinsam mit Macron eine "Nuklear-Steuerungsgruppe" gegründet. Wir finden: An dieser gefährlichen Politik der nuklearen Aufrüstung darf sich Deutschland nicht beteiligen. Um unsere gemeinsame Sicherheit zu stärken, braucht es vielmehr Rüstungskontrolle, Abrüstung und das Verbot aller Atomwaffen! Wir wollen für das Saarland die Postkartenaktion von "Ohne Rüstung leben!" auf den Weg bringen. Wir rufen dazu auf, Aktionspostkarten an den Botschafter von Frankreich und an den Bundeskanzler zu schicken. Unsere Forderungen:
JA zu atomarer Abrüstung in Europa!
NEIN zur deutsch-französischen Atomwaffen-Kooperation!
Die Friedensorganisation IPPNW fordert von der Bundesregierung ein Ende der diplomatischen Blockade und die Ernennung eines Sondergesandten für die Ukraine und Russland. Erst kürzlich hat die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel von Europa mehr diplomatische Anstrengungen zur Unterstützung der Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland gefordert.....weiterlesen....
Vorerst keine Dienstverplichtung, aber....:
Das Gesetz zur Modernisierung des Wehrdienstes wurde am 5. 12. 25 im Bundestag beschlossen und ist vom Bundesrat bestätigt wurden.Folgende Kurzmeldung auf imi-online.de beschreibt den damit verbundenen aktuellen Sachstand über die ab 1.1.26 gesetzlich verbindlichen Regeln hinaus:".....vorerst soll es aber keine Dienstverpflichtung geben. In diesem Zusammenhang war besonders umstritten, ob es zu einer automatischen Re-Aktivierung der Wehrpflicht kommen soll, sollten die NATO Vorgaben die Personalgröße der Bundeswehr schrittweise von derzeit rund 180.000 auf etwa 260.000 Soldat*innen zu erhöhen, verfehlt werden („Bedarfswehrpflicht“). Auch hier scheint sich laut Spiegel Online die Union weitgehend durchgesetzt zu haben: Nun soll, wie der SPIEGEL aus Koalitionskreisen erfuhr, ein Korridor bis zum Jahr 2035 festgelegt werden. Wenn die Zahlen, die sich an den Verpflichtungen gegenüber der Nato orientieren, nicht erreicht werden, soll die Wehrpflicht wieder aktiviert werden. Allerdings soll der Beschluss dafür dem Vernehmen nach durch ein weiteres Gesetz herbeigeführt werden.“
Unklar ist aktuell noch, wie genau dieser Korridor aussehen soll, der „Aufwuchspfad“ ist jedoch bereits gesetzlich verankert und wird durch eine halbjährliche Berichtspflicht gegenüber dem Bundestag überprüft. Im Falle einer Wiedereinführung der Wehrpflicht soll auch per Losverfahren entschieden werden können, wer eingezogen wird, heißt es weiter."
Stellungnahme der Friedenskooperative: Wehrdienst-Modernisierungsgesetz verfassungswidrig(070126)
Pressemitteilung der DFG-VK v. 14.11.25: "Ziviler Ungehorsam gegen neuen Wehrdienst"
Infos der Deutschen Friedensgesellschaft für Kriegsdienstverweigerer
Beratung für Kriegsdienstverweigerer durch die evangelische Arbeitsgemeinschaft für KDV
Unter 18 nie: Die Bundeswehr und Minderjährige
Aufschiebende Wirkung von KDV-Anträgen im Kriegsfall: Änderungen
"....Sehr kritisch bewertet die Kampagne die ersten Reaktionen aus der deutschen Politik. Forderungen nach der Entwicklung oder Beschaffung eigener Mittelstreckenwaffen würden die bestehenden Risiken eher verschärfen als reduzieren."
„In der aktuellen Weltlage ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und kluge, weitsichtige Entscheidungen zu treffen. Der Verzicht der USA auf die Stationierung weitreichender Angriffswaffen in Deutschland bietet dafür jetzt eine große Chance“, erklärt Simon Bödecker. „Reflexartige Rufe nach dem Kauf eigener Marschflugkörper und der Entwicklung europäischer Mittelstreckenwaffen bringen uns aber nicht weiter. Auch die vielbeschworene ‚Fähigkeitslücke‘ ist längst widerlegt!“(siehe dfg-vk.de)
Politische Bildung darf nicht militarisiert werden!
Dem spanischen Beispiel folgen (Pressemitteilung des FriedensNetz Saar)
Das Friedensnetz Saar möchte hiermit seine klare Unterstützung für die klare Haltung der spanischen Regierung zum Ausdruck bringen, den Krieg gegen Iran abzulehnen und sich zu weigern, spanisches Territorium für diese militärische Eskalation zur Verfügung zu stellen. Die momentane Weigerung z. B. von Deutschland, die USA bei der „militärischen Absicherung“ der Straße von Hormus zu unterstützen, ist dagegen ein relativ folgenloses Lippenbekenntnis.......
Besonders begrüßen wir die Entscheidung der spanischen Regierung, die Nutzung der US-Militärstützpunkte in Rota und Morón für Angriffe gegen Iran nicht zu genehmigen. Obwohl diese Stützpunkte gemeinsam mit den Vereinigten Staaten betrieben werden, stehen sie unter spanischer Souveränität und dürfen nicht für militärische Aktionen genutzt werden, die den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen widersprechen oder zu einer weiteren Eskalation beitragen. Diese Entscheidung zeigt, dass Regierungen auch unter internationalem Druck ihre souveräne Verantwortung wahrnehmen können.
Wir rufen daher die saarländische Regierung sowie die saarländischen Bundestagsabgeordneten dazu auf, sich dafür einzusetzen, dass Deutschland diese Haltung unterstützt und dem Beispiel Spaniens folgt.....(Stand: 19.3.26)
Rubrik Westasien
Quelle: Aus dem Flyer der DFG-VK zum Thema (obere Darstellung und anschließendes Zitat:)“Keine Organisation ist so destruktiv wie das Militär! Sie bedroht Mensch und Umwelt. Es gibt aber viele Möglichkeiten dagegen aktiv zu werden: Beispielsweise haben langjährige Proteste von Anwohnerinnen, Anwohnern und Friedensgruppen dazu geführt, dass der Truppenübungsplatz Wittstock-Ruppiner Heide überhaupt erst wieder in zivile Hand gefallen ist. Proteste kön- nen etwas bewirken und zum Schutz der Umwelt vor dem Militär beitragen! Für Dekarbonisierung und Demilitarisierung! Werde aktiv für ein nachhaltiges Leben ohne Militär!“
